Pflege: Wenn der sinnvollste Job plötzlich keinen Sinn mehr ergibt.

 

Eine aktuelle Auswertung des österreichweiten Arbeitsklima Index widmet sich den enormen Belastungen von Beschäftigten im Pflegebereich. Die Ergebnisse haben Oberösterreichs AK-Präsident Andreas Stangl, IFES-Geschäftsführer Dr. Reinhard Raml und Mag. Daniel Schönherr von SORA nun im Zuge einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

Der Pflegeberuf zählt zu jenen Berufen mit der höchsten Sinnstiftung, in dem unmittelbar das Gute, das man mit der eigenen Arbeit bewirkt, erlebt und erfahren werden kann. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass trotz äußerst verschärfter Arbeitsbedingungen nach wie vor Menschen in diesem Beruf bleiben.

Der Pflegeberuf zählt aber zu jenen Berufen mit dem höchsten Risiko, dass es zu einer nicht mehr bewältigbaren Belastungssituation und damit in letzter Konsequenz zum Burnout bzw. einer Erschöpfungsdepression kommt. Dann ergibt der sinnstiftende Job plötzlich keinen Sinn mehr.

55% der Befragten aus dem Pflegebereich kennen jemanden in ihrem Arbeitsumfeld, der/die schon einmal wegen eines Burnouts im Krankenstand war – das ist der höchste Wert unter den ausgewertete Berufsgruppen. Der Gesamtschnitt liegt hier vergleichsweise bei „nur“ 36%.

Die Belastungen sind enorm und mannigfaltig: Von psychischen Belastungen (Verantwortung, Umgang mit kranken Menschen), über körperliche Anstrengungen (Heben, Tragen, Körperpflege) bis hin zu organisatorischen Rahmenbedingungen (überlange und unregelmäßige Arbeitszeiten, zu wenig Pausen, Arbeitsverdichtung).

All das führt auch dazu, dass sich 6 von 10 Personen nicht vorstellen können, den Pflegeberuf bis zur Pension ausüben zu können.

Wir haben die Pflegekräfte auch gefragt, was es denn bräuchte, um den Job dennoch langfristig ausüben zu können. Ganz oben auf der Liste stehen dabei kürzere und vor allem auch planbare Arbeitszeiten, gefolgt von Stressreduktion, also eine geringere Arbeitsdichte und wieder mehr Fokus auf gesundheitsfördernde Maßnahmen, für die ja häufig kein Platz mehr bleibt. Viele wünschen sich auch eine andere Tätigkeit im Pflegebereich.

(Bildcredit: AK OÖ - Wolfgang Spitzbart)

Rückfragen

Dr. Reinhard Raml steht Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung:

Tel: +43 1 546 70 321 oder reinhard.raml@ifes.at