AKI: Leiharbeiter/-innen fühlen sich als Beschäftigte zweiter Klasse

Leiharbeiter/-innen fühlen sich als Beschäftigte zweiter Klasse

Leiharbeiter/-innen blicken wenig optimistisch in die Zukunft, bewerten ihre eigenen Rechte eher schlecht und sind mit ihrer Arbeit und ihrem Leben insgesamt unzufriedener als andere unselbständig Beschäftigte.

Leiharbeit sollte zur Abdeckung von Produktionsspitzen dienen, heute ist sie vielerorts zur betrieblichen Normalität geworden. Rund 85.000 Menschen sind in Österreich als Leiharbeiter/-in beschäftigt, zwei Drittel sind Männer, drei Viertel arbeiten im Gewerbe, Handwerk oder in der Industrie. Durchschnittlich werden Leiharbeitskräfte für 56 Tage überlassen.
Leiharbeiter/-innen sind deutlich unzufriedener mit ihrer Arbeit als „normale“ unselbständig Beschäftigte. Ihr Arbeitsklima Index ist in den vergangenen zehn Jahren von 92 auf 88 Punkte gesunken. Im Durchschnitt aller Branchen liegt er derzeit bei 109 Punkten. Zurückzuführen ist diese Unzufriedenheit insbesondere auf die Stellung im Betrieb: Leiharbeiter/-innen sehen sich selbst häufig als Belegschaft zweiter Klasse.
Knapp die Hälfte der Leiharbeiter/-innen ist mit den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten im Betrieb zufrieden, lediglich 39 Prozent mit den Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Auch mit Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind Leiharbeiter/-innen weitgehend unzufrieden – rund 7 von 10. Etwas weniger als die Hälfte nimmt den eigenen Arbeitsplatz als sicher wahr. Im Falle eines Jobverlusts, glaubt nur ein Drittel daran, rasch wieder eine adäquate Arbeitsstelle zu finden.

Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer steigt

Mehr als ein Drittel der jungen Arbeitnehmer/-innen und fast die Hälfte der älteren Beschäftigten glaubt, nicht bis zur Pension durchhalten zu können.
Während die Erwerbsquoten bei Männern und Frauen in den Altersgruppen zwischen 25 und 54 Jahren jeweils jenseits der 80 Prozent liegen, fallen sie bei den älteren Beschäftigten deutlich ab: 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen zwischen 55 und 64 Jahren sind erwerbstätig. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern erklärt sich durch das (derzeit noch) niedrigere Pensionsantrittsalter von Frauen. Unabhängig vom Geschlecht ist die Erwerbsquote in dieser Altersgruppe von 2007 bis 2017 um 15 Prozentpunkte auf 51 Prozent gestiegen. In der Pension selbst arbeiten nur mehr fünf Prozent der Menschen über 65 weiter.

Das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem steigt. Heute glauben mehr Beschäftigte, dass sie mit ihrer Pension auskommen werden, als im Jahr 2012.
Je nach Altersgruppe glauben zwischen 14 und 18 Prozent, dass sie mit der späteren Pension nicht auskommen werden. Am wenigsten optimistisch sind die jüngeren Arbeitnehmer/-innen zwischen 15 und 44 Jahren. Etwas zuversichtlicher sind die 45- bis 54-Jährigen und bei den Personen zwischen 55 und 64 Jahren glauben „nur“ 14 Prozent, dass sie in Zukunft mit ihrer Altersversorgung nicht das Auslangen finden. Insgesamt ist das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2012 zweifelten noch 25 Prozent der Jungen, ob sie später mit ihrer Pension auskommen würden – jetzt sind es 18 Prozent.
Vor allem Frauen haben schwere Bedenken, von ihrer späteren Pension leben zu können: 24 Prozent der jüngeren Frauen sagen, ihre Pension wird nicht ausreichen. Bei den 45- bis 54-Jährigen sind es 22 Prozent, aber nur zehn Prozent der Männer.

Pendeln stresst in Job und Freizeit
Für 14 Prozent der Arbeitnehmer/-innen dauert eine einfache Wegstrecke zur Arbeit 45 Minuten – der tägliche Weg zur und von der Arbeit somit rund 90 Minuten. 18 Prozent sind weniger als 15 Minuten pro Wegstrecke unterwegs, die absolute Mehrheit von 67 Prozent benötigt für den einfachen Arbeitsweg zwischen 15 und 44 Minuten.

Mit zunehmender Wegstrecke und -zeit sinkt die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Während rund 18 Prozent der Pendler/-innen mit einer Wegstrecke von weniger als 15 Kilometern und einer einfachen Fahrzeit von maximal 29 Minuten die Vereinbarkeit als mäßig bis schlecht bewerten, gibt bei den Beschäftigten, die pro Wegstrecke mehr als 51 Kilometer bzw. eine Stunde und mehr aufwenden, genau ein Drittel an, Arbeit und Freizeit bestenfalls mittelmäßig vereinbaren zu können.
Addiert man die Pendelzeit zur Arbeitszeit, dann reduziert sich das Ausmaß der Freizeit um durchschnittlich 2,5 bis fünf Stunden. Pendler/-innen, die auf diese Rechenart auf eine Arbeitszeit von mehr als 45 Stunden kommen, klagen in der Arbeit häufig über Zeitdruck (31 Prozent), ständigen Arbeitsdruck (24 Prozent) und Unterbrechungen der Freizeit aufgrund beruflicher Verpflichtungen (zwölf Prozent).

 

Rückfragen

Dr. Reinhard Raml steht Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung:

Tel: +43 1 546 70 321 oder reinhard.raml@ifes.at

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