Arbeitsklimaindex Tourismus 2014 - der Jobmotor stottert

Der Arbeitsklimaindex Tourismus 2014 zeigt eine leicht steigende Arbeitszufriedenheit, wenngleich die Zufriedenheit in der Branche weiterhin deutlich unter dem Schnitt der österreichischen Beschäftigten liegt. Die Entwicklungen verlaufen in einzelnen Aspekten durchaus unterschiedlich: Der zunehmende Zufriedenheit mit materiellen Aspekten, mit dem Führungsstil sowie mit der Arbeit und dem Leben insgesamt stehen steigende Arbeitsbelastungen und insbesondere ein signifikantes Sinken der subjektiven Arbeitsmarktchancen gegenüber. Die Arbeitsbelastungen im Tourismus zeigen sich auch an einer Reihe von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die von den Betroffenen unmittelbar mit ihrer Berufstätigkeit in Zusammenhang gebracht werden. Das sind die Hauptergebnisse der aktuellen Auswertung des Arbeitsklimaindex (AI) für den Tourismus.

Der aktuelle AI-Wert liegt im Tourismus aktuell bei 103 Indexpunkten und somit um vier Punkte unter dem Wert der Beschäftigten der sonstigen Branchen. Im längeren Zeitverlauf lag der Tourismus 2007 mit einem Höchstwert von 111 noch exakt im Gesamtdurchschnitt, mit der Wirtschaftskrise hat sich jedoch das Arbeitsklima im Tourismus deutlich stärker nach unten entwickelt als in den anderen Wirtschaftsbereichen und stagniert seither auf niedrigem Niveau.

In keinem anderen Teilaspekt des Arbeitsklimaindex liegen die Tourismusbeschäftigten - mit einer Minusdifferenz von elf Indexpunkten - so weit hinter dem Durchschnitt der heimischen Beschäftigten wie in der Zufriedenheit mit dem Karriereaspekt, also der Zufriedenheit mit der Weiterbildung sowie mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Dazu kommt, dass dieser Teilaspekt auf niedrigem Niveau tendenziell weiter sinkt (- 2 IP), wie auch die Zufriedenheit mit derr Zeiteinteilung (- 6 IP), die allgemeine Berufszufriedenheit (- 6 IP) und die Einkommenszufriedenheit (- 5 IP).

Kennzeichnend für die Beschäftigung im Tourismus waren in der Vergangenheit immer die deutlich über dem Gesamtschnitt liegenden subjektiven Arbeitsplatzchancen. Dieser Bonus, der 2006 im Vergleich mit den Beschäftigten insgesamt noch elf Indexpunkte betrug, hat sich nach einem Sinken um zuletzt 5 Indexpunkte nunmehr völlig aufgelöst. Die – vergleichsweise jungen – Tourismusbeschäftigten sind inzwischen ebenso wenig zuversichtlich, im Falle des Falles wieder eine adäquate Arbeitsstelle zu finden, wie der Durchschnitt der Beschäftigten in anderen Branchen. Hatten etwa 2006 noch 61 Prozent der Tourismusbeschäftigten die Hoffnung, im Falle des Arbeitsplatzverlustes sehr oder eher leicht wieder einen entsprechenden Job zu finden, so ist der entsprechende Anteil inzwischen auf weniger als die Hälfte (49%) zusammengeschmolzen. Die eingeschränkteren Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt weisen auf eine sich verschärfende Konkurrenzsituation hin. Der Umstand fehlender Wechselalternativen im Tourismus mit seinen in vieler Hinsicht erschwerten Arbeitsbedingungen kommt in besonderer Weise nachteilig zum Tragen. Die immer weniger realisierbar erscheinende Möglichkeit eines Dienstgeberwechsels versperrt zunehmend den Fluchtweg aus betrieblichen Umfeldern mit besonders hohen Arbeitszeiten bei niedriger Entlohnung, mit ungünstigen und familienfeindlichen Arbeitszeitlagen und einem schlechten Betriebsklima.

Von den subjektiv empfundenen Gesundheitsbeeinträchtigungen treten in Gastronomie und Hotellerie vergleichsweise am häufigsten Beeinträchtigungen des Bewegungs- und Stützapparates auf: Jeweils knapp mehr als die Hälfte der Befragten gab an, in den letzten Wochen zumindest selten an Muskelverspannungen im Nacken- bzw. Schulterbereich oder an Kreuzschmerzen gelitten zu haben. An Kopfschmerzen, Migräne haben 38 Prozent gelitten, gefolgt von Schmerzen in den Beinen (31%) sowie von Erschöpfung, Mattigkeit (28%) und Schlafstörungen (27%). Auffällig ist, dass die Beschäftigten im Tourismus – mit Ausnahme der Kopfschmerzen – alle genannten Befindensbeeinträchtigungen im Falle des Auftretens zu hohen Anteilen (zwischen 45 und 69 Prozent) auf die Berufstätigkeit zurückführen.

Der Arbeitsklimaindex ist eine Maßzahl für die Befindlichkeit heimischer Arbeitnehmer/-innen auf der Grundlage von 25 Einzelindikatoren und wird von IFES im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich quartalsweise mittels Face-to-Face Befragungen von zuletzt jeweils rund 1.400 unselbstständig Beschäftigten in Österreich (Zufallsauswahl) erhoben.

Weitere Details zur Studie finden Sie im Anhang zum Download.
Kontakt: Georg.Michenthaler@ifes.at

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