Entwicklung des Arbeitsmarktes im Grenzraum Burgenland-Westungarn

Das IFES hat im Auftrag des Interregionalen Gewerkschaftsrates Burgenland-Westungarn eine umfassende Studie zur Arbeitssituation ungarischer Beschäftigter im Burgenland durchgeführt. Zielsetzung der Studie war es, Anhaltspunkte für mögliche Entwicklungen nach Beendigung der derzeit noch bestehenden Übergangsregelungen für den burgenländischen Arbeitsmarkt zu finden. Die Studie wurde am 1. März im Eisenstädter Schloss in Anwesenheit von LH Hans Niessl einem interessierten Fachpublikum aus Politik und Verwaltung des Burgenlandes und der angrenzenden ungarischen Komitate vorgestellt.

Neben einer Strukturanalyse der Versichertendaten mit ungarischer Staatsbürgerschaft und einer explorativen Vorstudie bildete eine repräsentative Befragung von 504 derzeit im Burgenland regulär angemeldeter Beschäftigter den Hauptteil der Studie.

Der Hauptgrund für die Arbeitsaufnahme im Burgenland ist demnach - nicht überraschend - das höhere Einkommen. Für 74 Prozent der Befragten war das sehr wichtig, für 21 Prozent wichtig. Aber auch mit zahlreichen anderen Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit im Burgenland sind die ungarischen Beschäftigten zufriedener als sie es bei ihrer letzten Arbeitsstelle in Ungarn waren. Die Studie ergab auch, dass die im Burgenland beschäftigten ungarischen ArbeitnehmerInnen durchwegs eine berufliche oder eine höhere schulische Qualifikation aufweisen: 94 Prozent aller Befragten verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung, 48 Prozent haben eine Lehre, 16 Prozent eine Fachschule abgeschlossen. 22 Prozent haben Matura, 11 Prozent gar eine Universität oder eine Fachhochschule abgeschlossen.

Auf die Frage, ob sie vom Dienstgeber alles bekommen, was ihnen zusteht, sind sich 37 Prozent “sicher”, alles zu bekommen, 43 Prozent “eher schon” davon überzeugt. 17 Prozent meinen “eher nicht” oder “sicher nicht” das zu bekommen, worauf sie Anrecht haben. Ein Beleg, dass der Zweifel berechtigt ist, liefert ein in der Studie durchgeführter Einkommensvergleich. Demnach verdienen qualifizierte ungarische Beschäftigte im Durchschnitt 1.080 Euro. Am niedrigsten ist das Einkommen in der Landwirtschaft (850 Euro) und im Tourismus (950 Euro). Die im Burgenland angemeldeten qualifizierten Beschäftigten verdienen bei gleich bleibenden Voraussetzungen (hinsichtlich Qualifikation und Arbeitszeit) im Schnitt um 20 Prozent weniger als burgenländische Facharbeiter. In der Landwirtschaft beträgt die Differenz sogar rund 30 Prozent. Unqualifizierte ungarische Arbeitnehmer verdienen monatlich netto 730 Euro gegenüber 880 Euro der burgenländischen Vergleichsgruppe.

Trotzdem ungarische ArbeitnehmerInnen im Schnitt nur 80 Prozent von dem eines burgenländischen Arbeitnehmers verdienen, liegt das erzielte Einkommen immer noch erheblich über jenem, das sie für eine vergleichbare Stelle in Ungarn bekommen würden. Im Durchschnitt könnte man in Ungarn etwa ein Drittel des burgenländischen Einkommens verdienen.

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