Der erste Resignationsindex für Österreich

Zehn Prozent der österreichischen Beschäftigten haben völlig resigniert. Sie weisen den Maximalwert von 100 Punkten auf der von IFES und SORA entwickelten Resignationsskala auf. IFES erhebt im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich schon seit 1997 regelmäßig den Arbeitsklima-Index. Dabei hatte es immer wieder unerwartete Resultate gegeben. Trotz ihrer objektiv schlechten Arbeitsumstände wiesen einzelne Beschäftigungsgruppen bei den bisherigen Messungen des Arbeitsklima-Index dennoch eine überraschend hohe Arbeitszufriedenheit auf. Um dieses Phänomen zu erklären, hat die AK Oberösterreich nun die Entwicklung des Resignationsindex beauftragt.

Die Konzeption des Resignationsindex’ stützt sich auf den von Bruggemann entwickelten Begriff der "resignativen Arbeitszufriedenheit". Zentrale These dieses Konzepts ist, dass Arbeitszufriedenheit auch unter objektiv schlechten Bedingungen dadurch aufrecht erhalten werden kann, dass die ursprünglich höheren Erwartungen der Realität angepasst, also nach unten revidiert werden. Der Resignationsindex wird anhand die Zustimmungsgrades zu mehreren Aussagen berechnet. Er kann sich zwischen 0 (keinerlei Resignation) und 100 (völlige Resignation) bewegen. Der Resignationsindex ist eine eigenständige Maßzahl als Ergänzung zum Arbeitsklimaindex und soll dazu beitragen, die Realität der heimischen Arbeitswelt noch besser zu beleuchten.

Wie resigniert sind die österreichischen Arbeitnehmer/-innen?

Jede(r) zehnte Arbeitnehmer in Österreich hat - mit einem Resignationsindex von 100 - beruflich völlig resigniert, also seine ursprünglichen Ansprüche und Erwartungen völlig nach unten revidiert. Dieser Anteil ist - differenziert nach Berufsstatus und Geschlecht - bei den männlichen Angestellten mit 7,4 Prozent am geringsten und bei den weiblichen Arbeiterinnen mit 16,1 Prozent am höchsten.

Die Resignation ist unter Arbeitern mit durchschnittlich 66 Indexpunkten deutlich höher als im Öffentlichen Dienst mit 62 und bei den Angestellten mit 59 Punkten. Unter den Arbeitern gibt es auch die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Arbeiterinnen liegen mit 69 Punkten deutlich höher als ihre männlichen Kollegen mit 65 Punkten.

Die Resignation ist auch in hohem Maße von der Bildung abhängig: Beschäftigte, die nur über Pflichtschule verfügen, liegen mit 67 Punkten an der Spitze. Hier sind wieder die Frauen mit 69 deutlich vor den Männern mit 64 Punkten. Bei Beschäftigten mit Matura liegt der Resignationsindex bei 58 Punkten. Akademiker/innen haben mit 52 Punkten den niedrigsten Resignationsindex, hier sind aber Männer (53 Punkte) deutlich resignierter als die Frauen (51).

Das Alter hat ebenfalls erheblichen Einfluss auf das Ausmaß der Resignation. Offensichtlich werden bereits kurz nach dem Einstieg ins Berufsleben die ersten Illusionen begraben. Die Resignation der unter 21-Jährigen beträgt 62 Punkte. Zwischen 21 und 35 Jahren sinkt der Resignationsindex auf 59 Punkte, um danach wieder anzusteigen. Zwischen 36 und 50 Jahren wird wieder das Ausgangsniveau erreicht, um nach dem Alter von 56 Jahren auf 68 Punkte zu steigen. Bei Frauen setzt der Resignationsprozess deutlich früher ein als bei Männern. Hier steigt der Resignationsindex bereits ab 46 Jahren auf 65 Punkte an.

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