Existenzsicherung bei Arbeitslosigkeit

IFES befragte im Auftrag der Arbeiterkammer Wien 500 Personen, die in den vergangenen 12 Monaten zumindest einmal arbeitslos waren. Die Hauptergebnisse dieser von IFES in Kooperation mit SORA erstellten Studie zum Thema "Individuelle Strategien zur Existenzsicherung bei Arbeitslosigkeit" wurden am 1. April 2014 im Zuge der Tagung "Brennpunkt: Arbeitslosenversicherung" der Öffentlichkeit präsentiert.

Arbeitslosigkeit ist kein Randgruppenphänomen
Die Annahme, von Arbeitslosigkeit wären in erster Linie Randgruppen betroffen, bestätigt sich in der vorliegenden Studie nicht. Die soziodemografische Verteilung in der Struktur der Erwerbslosen in Wien zeigt klar, dass die Arbeitslosigkeit neben den bekannten Risikogruppen (Männer, Niedrigqualifizierte, MigrantInnen) mittlerweile auch stärker jene Schichten betrifft, die traditionell ein niedrigeres Arbeitslosigkeitsrisiko aufwiesen. Vor allem der hohe Anteil von insgesamt 43% Personen mit Matura oder Studienabschluss zeigt, dass die Dynamik am Wiener Arbeitsmarkt mittlerweile auch jene Branchen und Berufe erreicht hat, die bisher als krisenresistent galten.
 

Arbeitslosigkeit ist zumeist unfreiwillig
Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass das letzte Dienstverhältnis durch eine einvernehmliche Kündigung beendet wurde (46%), etwas mehr als ein Viertel wurde durch den Arbeitgeber gekündigt (28%), jede/r sechste gibt an, dass das letzte Dienstverhältnis durch Fristablauf beendet wurde. Nur jede/r Zehnte hat selbst gekündigt. Nur in den seltensten Fällen ist die Arbeitslosigkeit auf den Wunsch der Personen selbst zurückzuführen, 9 von 10 Arbeitslosen mussten unfreiwillig den Beruf niederlegen.
 

Wenig Kompensationsmöglichkeiten für Einkommensverluste
Die häufigste private Geldquelle zur zumindest teilweisen Kompensation der Einkommensverluste im Zuge der Arbeitslosigkeit sind – wie zu erwarten – eigene Ersparnisse. Darauf konnte aber nur knapp jede/r Zweite (49%) zurückgreifen, der Rest musste auf andere Geldquellen ausweichen. Neben den eigenen Ersparnissen sind die wichtigsten Geldquellen das Partnereinkommen (29%) sowie finanzielle Zuwendungen aus dem Familienkreis (27%) oder private Geldausleihen (17%). Über ein Drittel der Befragten (36%) gibt an, sich privat Geld ausgeliehen zu haben und/oder finanzielle Zuwendungen von Eltern, Verwandten oder sonstigen Personen erhalten zu haben. Für knapp die Hälfte dieser Personen war die Annahme des Geldes mit einer großen Überwindung verbunden.
 

Einsparungen reichen oft nicht zur Deckung der Lebenskosten
Der Einkommensverlust durch die Erwerbslosigkeit beträgt im Durchschnitt 44%.  Neun von zehn Befragten geben an, dass sich ihre monatlichen Haushaltsausgaben während der Arbeitslosigkeit reduziert hätten. Im Durchschnitt machen diese Einsparungen ein Viertel des ursprünglichen Nettoeinkommens aus. Bei lang dauernder Arbeitslosigkeit steigt dieser Einsparungsanteil auf ein Drittel. Die finanziellen Einbußen durch die Arbeitslosigkeit haben für 37 Prozent der Betroffenen und deren Haushalte insgesamt „ein sehr großes Problem“ dargestellt, bei jenen mit einer Dauer der Beschäftigungslosigkeiten von mehr als 25 Wochen steigt der entsprechende Anteil auf 63 Prozent.

Es sind vor allem ältere Frauen über 40, die ihrer Arbeitslosigkeit deutlich negativere Auswirkungen zuschreiben, und zwar sowohl wenn es um ganz allgemein negative Auswirkungen auf das Leben als auch um konkrete negative Folgen für die Freizeitgestaltung, die Gesundheit und die beruflichen Chancen geht. Wenn im Haushalt der befragten Arbeitslosen auch Kinder leben, so sind auch diese von den negativen Auswirkungen durch die zunehmende Armutsgefährdung z.T. massiv betroffen. Bei mehr als einem Kind im Haushalt befürchten für diese 35 Prozent negative Auswirkungen, Frauen sind diesbezüglich wesentlich sensibilisierter als Männer. Die Folgen für Kinder können etwa sein, dass sie an Schulaktivitäten nicht teilnehmen können, dass die notwendige Nachhilfe gestrichen wird, oder dass sie überhaupt in eine erschwinglichere Schule wechseln müssen.

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