Informationsverhalten am Anfang der COVID-19-Krise

Das KIRAS Projekt iLike (Intelligentes Lageinformationsportal zur Unterstützung im Katastropheneinsatz) untersucht Möglichkeiten, um moderne Kommunikationsformen wie soziale Medien, Sofortnachrichtendienste und andere öffentlich zugängliche Kommunikationskanäle für Einsatzorganisationen nutzbar zu machen, um in Krisen und Katastrophensituationen dem Informationsbedarf der Bevölkerung durch valide Informationen begegnen zu können.

Das IFES stellte als geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlicher (GSK) Projektpartner sicher, dass im Rahmen der Anforderungsanalyse die Perspektive der Bevölkerung und deren Informationsbedarf im Krisen- und Katastrophenfall erhoben und einbezogen wurde.

Zu diesem Zweck hat das IFES neben einer Desk Research und zwei Fokusgruppen im Zeitraum Ende April bis Mitte Mai 2020 auch eine österreich-repräsentative quantitative Befragung (unter n=975 Personen) durchgeführt. Pandemiebedingt wurde dabei nicht mehr allgemein auf Krisen und Katastrophen fokussiert, sondern ein Schwerpunkt auf die COVID-19 Pandemie gelegt. Die Ergebnisse sollen die Erreichbarkeit und den Informationsbedarf der Bevölkerung darstellen sowie Aufschluss darüber geben, welche Medien von der Bevölkerung genutzt werden und wie sich die Bevölkerung in sozialen Medien verhält. Ebenso erhoben wird die Akzeptanz einer Beobachtung und Analyse des öffentlich einsehbaren Geschehens in sozialen Medien durch Behörden und Einsatzorganisationen.

Während ursprünglich ein Mix aus Online- und persönlicher Befragung vorgesehen war, musste die Erhebung aus gegebenem Anlass als reine Online-Befragung durchgeführt werden.

Ergebnisse im Überblick

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Befragung werden hiermit öffentlich zur Verfügung gestellt und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Im Erhebungszeitraum wurde die Arbeit von österreichischen Einsatzorganisationen und Behörden im Katastrophen- und Zivilschutz wie auch bei der Corona-Bewältigung mehrheitlich als gut erachtet.
  • Von den Befragten fühlten sich 87% gut oder sehr gut über COVID-19 informiert.
  • Die Bewertung speziell der COVID-19-Bewältigung dürfte mittlerweile wesentlich skeptischer beurteilt werden, angesichts der massenmedialen Behandlung der schleppenden Impfung, Probleme bei der Impfstoffbeschaffung, bzw. der wirtschaftlichen Problematiken (Stand Frühjahr 2021).
  • Die Bevölkerung greift auf einen breiten Mix an genutzten Informationsmedien zurück. Das zeigt, dass ein Multi-Channel-Ansatz für die Kommunikation in einer Krise, der nicht nur klassische Medien anspricht, sondern durch moderne Kanäle wie soziale Medien, Messenger-Gruppen oder andere direktere Kommunikationskanäle unterstützt wird, die breiteste Abdeckung erreicht.
  • In vielen Fällen wurde beim Informationsverhalten von den Befragten zwar angegeben, auch soziale Medien verwendet zu haben – auf Nachfrage zeigte sich aber, dass vermittelt durch soziale Medien dann oft auf Inhalte von „klassischen“ Medien wie Zeitungen oder von Ministerien / anderen Behörden zugegriffen wurde.
  • Aufgrund von Altersunterschieden bei der Nutzung der Informationsmedien ist es notwendig, neue Medien verstärkt einzubeziehen, um auch in Zukunft breite Teile der Bevölkerung erreichen zu können.
  • Die Akzeptanz gegenüber einer Beobachtung und Analyse des öffentlich einsehbaren Geschehens in sozialen Medien („iLike-Grundidee“) wird in der Stichprobe gemischt beurteilt: bei akuten Krisen und Katastrophen wird dies eher akzeptiert (54% Befürwortung, 17% Ablehnung), außerhalb von akuten Phasen sinkt die Akzeptanz jedoch (36% Zustimmung, 31% Ablehnung).

Das Projekt iLike wird im Sicherheitsforschungs-Förderprogramm KIRAS des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) gefördert.

Rückfragen

 ​Mag.a Christine Schuster-Himmel steht Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung:

+43 1/546 70 320​ oder christine.schuster-himmel@ifes.at

Downloads
Hauptergebnisse der Befragung455,57 KB