"Kürzer arbeiten - leichter leben!" Angestellte wollen Arbeit reduzieren

Eine Diskussion um die generelle Verkürzung der Arbeitszeit fällt bei den Angestellten mehrheitlich auf fruchtbaren Boden. Das zeigen eine aktuelle Befragung von 801 Angestellten sowie eine Sonderauswertung einschlägiger Daten des Österreichischen Arbeitsklimaindex.

Die Daten weisen einerseits auf ein hohes Maß an Variabilität der Arbeitszeitregelungen hin: Nur knapp ein Drittel kann auf eine fixe regelmäßige Arbeitszeit verweisen, 69 Prozent arbeiten in selbst- oder fremdbestimmten variablen Arbeitszeitformen, von Gleitzeit bis zu Schichtarbeit und Arbeit auf Abruf. Rund jede/r fünfte Angestelle arbeitet auf Basis eines All-In Vertrages oder mit einer Überstundenpauschale. Dabei ist bemerkenswert, dass die entsprechenden Anteile auch bei einfachen Angestelltentätigkeiten nicht signifikant nach unten abweichen.

Zum anderen zeigen die Erhebungen, dass das verfügbare Arbeitsvolumen sehr ungleich zu Gunsten von männlichen Angestellten und solchen in qualifizierten und leitenden Positionen verteilt ist. Zudem sind regelmäßige Überstundenleistungen gängige Praxis: Laut Arbeitsklimaindex machen nur 30 Prozent der vollzeitbeschäftigten Angestellten nie Überstunden. Ein Viertel sämtlicher Beschäftigter im Angestelltenverhältnis arbeitet durchschnittlich mehr als 40 Wochenstunden, bei den Männern beträgt der entsprechende Anteil 39 Prozent und bei leitenden Angestellten sogar 55 Prozent.

Angestellte mit diesem hohen regelmäßigen Arbeitszeitausmaß liegen nicht nur beim Arbeitsklimaindex insgesamt (107 gegenüber 111 Indexpunkte), sondern auch in einer Reihe von Teilaspekten (z.B. Zufriedenheit mit den Arbeitszeitregelungen, Vorgesetzten oder der sozialen Einstellung des Betriebs) signifikant unter den Werten der Referenzgruppe jener mit bis zu 40 Wochenstunden regelmäßiger Arbeitszeit. Noch deutlicher sind die Unterschiede im Hinblick auf die geäußerten Arbeitsbelastungen, besonders was psychischen Stress und Zeitdruck betrifft.

So ist es nicht überraschend, dass 77 Prozent mit einem Arbeitszeitausmaß von mehr als 40 Stunden und 69 Prozent jener mit häufigen Überstunden weniger als derzeit arbeiten wollen, auch wenn sich damit im selben Ausmaß das Einkommen verringert.

Für eine generelle Reduktion der Normalarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden sprechen sich im Falle eines vollen Lohnausgleichs zwei Drittel der Angestellten  aus, ohne Lohnausgleich sind es immer noch knapp ein Viertel (23%) die meinen, 35 Stunden als Arbeitszeitobergrenze wären genug.

Mit überwiegender Mehrheit positive Effekte würde man in einer generellen Arbeitszeitverkürzung v.a. hinsichtlich der Vereinbarkeit und der Arbeitsfähigkeit bis ins höhere Alter erwarten. Die Mehrheit der Befragten könnte sich durch eine andere Verteilung der Arbeitszeit auch einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorstellen.
 

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