Schlechte Arbeitsbedingungen im Einzelhandel

In Rahmen einer von der Gewerkschaft der Privatangestellten am 15.9. abgehaltenen Pressekonferenz hat IFES-Projektleiter Georg Michenthaler die Situation der österreichischen Einzelhandelsbeschäftigten in einer Sonderauswertung des österreichischen Arbeitsklimaindex anhand einiger Beispiele illustriert. Die AI-Daten, die im Auftrag der AKOÖ kontinuierlich unter österreichischen Erwerbstätigen erhoben werden, liefern für zahlreiche aus der gewerkschaftlichen Praxis konstatierten arbeitsrechtlichen Missstände empirische Nachweise auf repräsentativer Basis.
Typisch für die Branche, in der überwiegend Frauen, vielfach in Teilzeit, arbeiten, sind die diskontinuierlichen Erwerbskarrieren mit überdurchschnittlich häufigen Berufsunterbrechungen und mit einer hohen Fluktuation. Nur rund vier von zehn Beschäftigten im Einzelhandel gegenüber knapp zwei Drittel insgesamt verfügen über einen Betriebsrat. Diese Rahmenbedingungen, verbunden mit einem forcierten Verdrängungswettbewerb, führen dazu, dass Ansprüche vielfach nicht geltend gemacht und durchgesetzt werden können. Auffällig ist etwa die Diskrepanz zwischen vereinbarter und real geleisteter Arbeitszeit insbesondere unter den im Handel besonders zahlreichen geringfügigen Beschäftigten, von denen rund die Hälfte regelmäßig mehr arbeitet, als für den Status der Geringfügigkeit zulässig wäre. Man muss annehmen, dass es sich dabei vielfach um Umgehungsverträge zur Kürzung der betrieblichen Sozialversicherungsabgaben handelt. Die Probleme verschärfen sich offenbar in den größeren Betrieben, da unter den Erwerbstätigen im Einzelhandel - völlig konträr zur Gesamtheit der Beschäftigten - die Zufriedenheit mit zahlreichen Aspekten des Berufstätigkeit mit steigender Betriebsgröße sinkt, so etwa die Zufriedenheit mit dem Einkommen, mit den Sozialleistungen, mit den Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch die subjektive Sicherheit des Arbeitsplatzes. Auch der Führungsstil wird in den Großbetrieben des Einzelhandels besonders schlecht bewertet. Die prekäre Einkommenssituation und die sozialversicherungsrechtlichen Beschneidungen führen letztlich dazu, dass die Einzelhandelsbeschäftigten deutlich unter dem Schnitt erhoffen, jemals eine existenzsichernde Pension zu erreichen.
Weitere Details der IFES-Studie zu diesem Thema finden Sie im beigefügten Dokument.

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