Schlechte Chefs machen ihre Mitarbeiter krank

Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor der AK Oberösterreich zeigt, dass schlechte Chefs ihre Beschäftigten krank machen. Der Anteil jener Beschäftigten, die krank zur Arbeit gehen, liegt seit fünf Jahren konstant bei rund 33 Prozent. Die häufigste Ursache dafür: Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen/-innen.

Am häufigsten sind die österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2010 krank zur Arbeit gegangen. Damals gaben zwischen 37 und 45 Prozent der Beschäftigten an, innerhalb des vergangenen halben Jahres zumindest einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein. Seit dem zweiten Halbjahr 2012 liegt dieser Wert ziemlich konstant bei rund einem Drittel der Beschäftigten. 
Rückläufig ist hingegen die Dauer des sogenannten „Präsentismus“: Während in der Krise die betroffenen Arbeitnehmer/-innen durchschnittlich rund neun Tage pro Halbjahr krank zur Arbeit gingen, so liegt dieser Wert seit zwei Jahren konstant zwischen sechs und sieben Tagen.

Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen/-innen

Der häufigste Grund, krank zur Arbeit zu gehen, ist das Pflichtgefühl gegenüber den Kolleginnen und Kollegen. Sechs von zehn Befragten gaben an, deswegen nicht daheim zu bleiben, obwohl es vernünftiger wäre. Im öffentlichen Dienst sagen das sogar 72 Prozent. Gut ein Drittel aller Beschäftigten, die krank zur Arbeit gingen, klagten über mangelnde Vertretung bzw. dass niemand ihre Arbeit erledigen konnte. Besonders bei Angestellten ist das ein häufiger Grund. Für sie ist auch ausschlaggebend, krank arbeiten zu gehen, weil ansonsten die Arbeit liegen bleiben würde. Arbeiter haben hingegen deutlich häufiger Angst vor einem Jobverlust: Ein Viertel von ihnen ist aus Sorge vor beruflichen Konsequenzen krank zur Arbeit gegangen. Tatsächlich Probleme aufgrund von Fehlzeiten wegen Krankheit hatten nur wenige Beschäftigte. Allerdings sind auch hier die Arbeiter/-innen (sieben Prozent) stärker betroffen als die restlichen Bediensteten (Angestellte drei Prozent, öffentlich Bedienstete zwei Prozent).

Wer krank zur Arbeit geht, ist länger krank

Fast jede/r dritte Beschäftigte, die/der krank zur Arbeit gegangen ist, hatte dadurch gesundheitliche Nachteile. Die häufigste Folgeerscheinung ist Müdigkeit und Abgeschlagenheit, weit schlimmer sind aber die längere Dauer der Krankheit, Unkonzentriertheit und die Möglichkeit eines Rückfalles. Außerdem besteht die nicht zu vernachlässigende Möglichkeit, auch die Kolleginnen und Kollegen anzustecken. Das alles fällt geht auch zu Lasten der Arbeitgeber, weil Leistungsfähigkeit und Produktivität bei kranken Mitarbeitern/-innen nachlassen. Unterschiedliche Studien gehen davon aus, dass kranke Beschäftigte am Arbeitsplatz nicht nur weniger leisten, sondern auch mehr Fehler machen und sogar häufiger Opfer eines Unfalls werden. Präsentismus begünstige zudem chronische Krankheiten. Die Kosten für die Unternehmen werden dadurch höher, als wenn die Beschäftigten in Krankenstand gehen und sich auskurieren würden.

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