Situation Unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge

Am 3. Februar 2016 hat die Österreichische Bundesjugendvertretung der Öffentlichkeit die explorative Studie „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich“ vorgestellt. Die Studie wurde von IFES und BJV gemeinsam konzipiert und durchgeführt. Junge Flüchtlinge wurden zu Themen wie Wohnen, Ausbildung und Arbeit, Finanzielle Situation oder ihren Tagesabläufen befragt.

Die Hauptergebnisse: Die Art der Unterbringung macht einen großen Unterschied: Die beste Ausstattung haben jene Unterkünfte, die spezielle für junge Flüchtlinge konzipiert sind. In Erstaufnahmezentren und Notquartieren fehlt es oft am Nötigsten wie der Möglichkeit Wäsche zu waschen, zu kochen oder Privatsphäre. Die jungen Flüchtlinge haben den starken Wunsch, Deutsch zu lernen, eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu machen. Sie formulieren konkrete Berufswünsche, und sind überwiegend zuversichtlich, diese auch einmal erreichen zu können. Etwa 6 von 10 jungen Flüchtlingen verfügen über maximal 40 Euro im Monat; mehr Geld würden sie für Essen, Kleidung, Bücher oder Sportartikel oder Sportaktivitäten ausgeben.

Die Tagesabläufe sind stark dadurch geprägt, ob Schule oder Deutschkurse als fixer Bestandteil vorkommen. Wer nicht zur Schule geht oder keinen Deutschkurs besucht, hat oft das Gefühl, Tage abzusitzen und nichts Sinnvolles zu tun.

Flüchtlinge äußern auch den Wunsch, mehr Zeit mit ÖsterreicherInnen zu verbringen. Dies ist zur Zeit vor allem jenen möglich, die eine Schule besuchen; zum Teil bieten auch gemeinsame sportliche Aktivitäten eine Möglichkeit, ÖsterreicherInnen kennenzulernen.


Zur Methode: Über ein sogenanntes „at location sampling“ wurden Flüchtlinge an wahrscheinlichen Aufenthaltsorten ausgewählt und befragt. Da die meisten „Locations“ Unterkünfte waren, hat die Studie einen Fokus auf Flüchtlingen in größeren Quartieren und einen Schwerpunkt im Osten Österreichs. Die Interviews wurden in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Farsi, Dari, Englisch und Deutsch) durchgeführt. Insgesamt nahmen 66 Personen an der Befragung teil. Der explorative Charakter der Studie drückt sich auch darin aus, dass ein großer Teil der Fragen offen gestellt wurde.
Eine Zusammenfassung der Studie ist auf der Website der Bundesjugendvertretung abrufbar.

Link zur Zusammenfassung der Studie

Rückfragen

Dr.in Eva Zeglovits steht Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung:

eva.zeglovits@ifes.at
oder +43 1 546 70 351