Teilzeit - ja, aber geregelt!

Angestellte in Teilzeitbeschäftigungen sind im Allgemeinen mit den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit durchaus zufrieden. Die reduzierte Arbeitszeit ermöglicht es ihnen, den privaten und familiären Verpflichtungen nachzukommen, die zumeist das Motiv für die Teilzeitbeschäftigung sind. Wenn allerdings in bestimmten Branchen - wie z.B. im Handel oder in sozialen Dienstleistungen - Teilzeit als betriebliche Strategie eingesetzt wird, um unterschiedliche Auslastungen flexibel zu steuern, dann sinkt die Zufriedenheit mit der Teilzeit deutlich. In diesem Fall geht nämlich der Hauptgrund für diese Arbeitszeitform - nämlich die hohe Zeitautonomie und Planbarkeit für die betroffenen Frauen verloren. Das ist nur eine der Erkenntnisse, die im Zuge einer großen IFES-Umfrage unter teilzeitbeschäftigten Angestellten - in Kooperation mit der Frauenabteilung der GPA-djp gewonnen wurde. Die Ergebnisse beruhen auf einer Selbstausfüllbefragung unter knapp 3.500 Teilzeibeschäftigten in Betrieben mit einer innerbetrieblichen Interessenvertretung - sind also nicht als repräsentativ für sämtliche TZ-Beschäftigte anzusehen. 92 Prozent der Befragten sind übrigens Frauen.
Der Weg in die Teilzeit führt zumeist - direkt oder mit der Zwischenstation Karenz - über eine vorherige Vollzeitstelle und ist u.U. auch mit dem Risiko der Dequalifikation verbunden. Sofern in geregelten Bereichen - wie etwa in der Industrie, in den Sozialversicherungen oder im Bankensektor - Teilzeit nichts anderes ist als die (temporäre) Reduktion der Arbeitszeit, sind damit im Allgemeinen auch keine Veränderungen des Tätigkeitsbereiches verbunden. Wird eine Teilzeitstelle jedoch bei einem neuen Arbeitgeber eingenommen und ist die Wochenstundenausmaß zudem noch sehr klein, dann entspricht diese Tätigkeit vielfach nicht dem Niveau der vorherigen Vollzeitstelle. Von jenen, die mehr als 30 Wochenstunden in Teilzeit arbeiten, sagen 10%, dass Ihre jetzige Tätigkeit weniger anspruchsvoll sei als die vorherige Vollzeitbeschäftigung, unter jenen, die nur bis zu 15 Stunden arbeiten, ist der entsprechende Anteil drei Mal so hoch.55 Prozent der teilzeitbeschäftigten Angestellten sehen Benachteiligungen gegenüber Vollzeit-Angestellten, insbesondere im Hinblick auf die Aufstiegsmöglichkeiten und das Einkommen.
Teilzeit ist allerdings - je nach den betrieblichen Rahmenbedingungen - sehr differenziert zu betrachten und zu bewerten. Aufgrund des traditionellen Rollenverständnisses, das den Frauen die maßgebliche Verantwortung für die familiäre Reproduktionsarbeit zuweist, besteht eine hohe Nachfrage nach Teilzeitbeschäftigungen. Anzustreben wäre mittelfristig eine Aufwertung von Teilzeit und auch eine bessere Geschlechterdurchmischung, die Teilzeit nicht zu einer weiblichen Beschäftigungsform zweiter Wahl verkommen läßt.

Diese und weitere Ergebnisse der Studie wurden am 28.4. im Rahmen eines Pressegesprächs der Öffentlichkeit vorgestellt.

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