Überlange Arbeitszeiten führen zu Zeitstress

Fast die Hälfte der österreichischen Beschäftigten muss zumindest manchmal bis zu zwölf Stunden pro Tag arbeiten. Das verlängert ihre wöchentliche Arbeitszeit, erschwert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und verursacht vermehrten Zeitstress. Von der vielzitierten Vier-Tage-Woche kann keine Rede sein. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Arbeitsgesundheitsmonitors der AK Oberösterreich.

Im Vorjahr waren 3.733.200 Menschen in Österreich unselbständig erwerbstätig (Statistik Austria) – fast die Hälfte von ihnen, also rund 1,8 Millionen Menschen, musste schon bisher (zumindest manchmal) elf oder zwölf Stunden pro Tag arbeiten. Jede/r Sechste schiebt zumindest einmal pro Woche eine 12-Stunden-Schicht.

Von überlangen Arbeitszeiten sind Männer mit 57% wesentlich häufiger betroffen als Frauen mit 36%, was auf die hohen Teilzeitquoten bei den Frauen zurückführen ist. Auch die Branche spielt hierbei eine große Rolle, sind vor allem die Männerdomänen – wie Bauarbeiter, Handwerker und Fernfahrer – damit konfrontiert. Hier kommt im Schnitt jeder Dritte wöchentlich auf überlange Tage; insgesamt geben fast drei von vier Beschäftigten an, überlange Arbeitstage zu leisten.

Überlange Arbeitstage hängen auch mit einer deutlich längeren Wochenarbeitszeit zusammen, die Kompensationsrechnung – weniger arbeiten an anderen Tagen und somit eine normale Wochenarbeitszeit zu erzielen – geht leider nicht auf. Die gesetzliche Normalarbeitszeit liegt in den meisten Branchen bei 40 Stunden, die tatsächliche Wochenarbeitszeit liegt – der Teilzeitquote geschuldet – deutlich darunter bei rund 35 Stunden. Wer selbst nur ein bis zweimal im Halbjahr mehr als 10 Stunden am Tag arbeitet, kommt schon auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,5 Stunden. Diese steigt mit der Häufigkeit überlanger Arbeitstage deutlich an, z.B. wenn es ein bis zwei Tage in der Woche sind auf 47,6 Stunden, wenn es noch öfter vorkommt, sind es 51,6 Stunden – der Schnitt liegt also über der erlaubten Wochenarbeitszeit von 50 Stunden.

Überlange Arbeitstage beeinträchtigen auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Nur 36% gelingt dies „sehr gut“, bei jenen ohne solche Tage sind es immerhin 51%. Auf der anderen Seite ist es ein Viertel, die die Situation als sehr schwierig bzw. schlecht bezeichnen gegenüber 11% in der Gruppe ohne überlange Arbeitstage.

Wer auch nur hin und wieder lange arbeitet fühlt sich (generell) am Ende eines Arbeitstages häufiger verbraucht: dies trifft auf 46% zu. Bei jenen, die keine 12-Stunden-Tage haben, sind 36%. D.h. überlange Arbeitstage führen zu chronischer Erschöpfung bzw. treten häufiger in Berufen auf, die ohnehin schon ihre Arbeitnehmer erschöpfen.

12-Stunden-Tage erhöhen das Risiko von Zeitstress enorm, der wiederum zu einer Reihe von gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Sechs von zehn Beschäftigten mit überlangen Arbeitstagen haben Zeitstress, in der Kontrastgruppe ist es „nur“ jeder Dritte. Einen hohen Anteil an Zeitstress haben neben Arbeiterberufen auch Pflegeberufe sowie generell Personen zwischen 30 und 50 Jahren.

Zeitstress führt zu einer Reihe von körperlichen und psychosomatischen Beeinträchtigungen – allen voran Muskelverspannungen, Kreuzschmerzen, Kopfschmerzen sowie Erschöpfung und Mattigkeit. Auch Schlafstörungen sind häufig die Folge, wodurch insgesamt die Regenerationsfähigkeit beeinträchtigt wird, was wiederum den chronischen Verlauf von Erkrankungen begünstigt.
In weiterer Folge fehlt letztlich auch der Glaube daran, seinen Beruf bis zur Pension ausüben zu können – fast die Hälfte derer, die unter Zeitstress leiden, können sich dies nicht vorstellen (Kontrastgruppe: 36%).
Danach gefragt, was notwendig wäre, um den Beruf tatsächlich bis zur Pension ausüben zu können, führt die Hälfte der Betroffenen eine Verringerung der Arbeitszeit an, gefolgt von einem geänderten Tätigkeitsfeld, besserem Einkommen und geringerem Stress bzw. psychischer Belastung.

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