Home-Office: Positive Resonanz, aber mehr Stress

IFES-Geschäftsführer Dr. Reinhard Raml und Mag. Daniel Schönherr von SORA haben heute gemeinsam mit AK OÖ- Präsident Dr. Johann Kalliauer die aktuellen Ergebnisse der Erhebung zum Arbeitsklima in Österreich präsentiert. Zum Thema Home-Office ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Studie zum Arbeitsklima Index wird seit 1996 im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich viermal jährlich durchgeführt.

Für viele Betriebe war und ist die Heimarbeit, das s.g. Home-Office, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine wesentliche Maßnahme, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Insgesamt arbeiteten zwischen März und Mai mehr als ein Viertel der Beschäftigten fast ausschließlich von Zuhause aus. Weitere elf Prozent arbeiteten sowohl zuhause als auch am üblichen Arbeitsort. Insgesamt waren damit vier von zehn Beschäftigten mit den Anforderungen von Home-Office konfrontiert. Für viele bedeutete das Neuland in einer ungewöhnlichen Zeit. Das zeigen die Daten des Arbeitsklima Index aus dem zweiten Quartal.

Ungleiche Möglichkeiten auf Home-Office

Die Möglichkeit oder das Erfordernis von Zuhause zu arbeiten, ist stark von der beruflichen Tätigkeit abhängig. Beinahe die Hälfte der qualifizierten und leitenden Angestellten sowie der öffentlich Bediensteten wechselte aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie zumindest teilweise ins Home-Office. Bei Arbeiterinnen und Arbeitern waren es nur rund sieben Prozent. Auch bei den Bildungsabschlüssen gibt es eine Kluft: Fünf Prozent von Personen mit einem Hochschulabschluss aber weniger als zehn Prozent der Personen, die ausschließlich die Pflichtschulzeit absolvierten, arbeiteten in dieser Zeit in den eigenen vier Wänden.

Ein Unterschied zeigt sich auch nach Geschlecht. Frauen wechselten häufiger ins Home-Office als Männer. Denn letztere sind öfter in Berufen mit manuellen Tätigkeiten anzutreffen, die nur in der Betriebsstätte erledigt werden können. Vor Corona war dieses Verhältnis noch umgekehrt, wie die Daten des Arbeitsklima Index aus dem ersten Quartal zeigen.


Licht und Schatten: Eltern im Home-Office besonders getresst

In Summe resümieren zwei Drittel der Beschäftigten im Home-Office, dass das Arbeiten von Zuhause Vorteile bringt, die der Betrieb auch über die Krise hinaus nutzen sollte. Allerdings ziehen nicht alle Beschäftigten eine positive Bilanz. Ein Fünftel der Betroffenen gibt an, dass das Arbeiten von Zuhause sehr umständlich ist. Ebenso vielen fehlt in den eigenen vier Wänden der Platz. Vier von zehn geben an, dass sie auch zu Zeiten tätig waren, zu denen sie normalerweise nicht arbeiten – nämlich frühmorgens, abends, nachts und am Wochenende. Die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit droht damit teilweise stark zu verschwimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer Kinder zu Zeiten des Lockdowns betreuen musste, war einer besonders hohen Belastung ausgesetzt. Beschäftigte mit betreuungspflichtigen Kindern klagen eher über Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten und wenig Zeit für Regeneration. Zudem fehlt hier oft der notwendige Platz. Den Beruf mit sonstigen Aufgaben zu vereinbaren stresste 45 Prozent der Eltern im Home-Office, während dies nur 26 Prozent der Eltern berichteten, die nicht im Home-Office waren.

 


Über den Arbeitsklima Index

Das IFES erhebt im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich jedes Jahr bei rund 4.000 Erwerbstätigen das Fragenprogramm des Arbeitsklima Index in persönlichen Interviews. Diese Langzeitstudie wurde 1996 in Kooperation von Arbeitskammer Oberösterreich mit den Sozialforschungsinstituten IFES und SORA entwickelt. Zwischen März und Mai 2020 wurden statt persönlicher Interviews rund 1.600 Personen online befragt. Im Rahmen des Fragenprogramms des Arbeitsklima Index werden seit 2008 auch Fragen zu körperlichen Beschwerden, psychischen Beeinträchtigungen sowie zur betrieblichen Gesundheitsförderung erhoben.

Der Österreichische Arbeitsklima Index ist ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Beschäftigten. Ergänzend zu den üblichen Kennzahlen der wirtschaftlichen Entwicklung erfasst der Index die subjektive Dimension und ermöglicht so die Analyse gesellschaftlicher Folgen von Tätigkeit und Arbeit.
 

 

Rückfragen

Dr. Reinhard Raml steht Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung:

Tel: +43 1 546 70 321 oder reinhard.raml@ifes.at